Die Archive beginnen im Mai 2006 und enden im Februar 2012.
Das neue Weblog ist jetzt auf der EFT Site.

Aus-druck

Orange In der Stadt Wu kam ein Schüler enttäuscht zu seinem Meister zurück. Er hatte erfolglos versucht, Orangen auf dem Markt zu verkaufen und wetterte nun zornig gegen die Menschen, die seine Orangen nicht kaufen wollten, egal wie sehr er sie anpries.
Da schüttelte der Meister seinen Kopf und strich sich durch seinen langen weißen Bart:
„Es liegt vielleicht an Dir und nicht an den Orangen!“
„Niemals, Meister“, beschwerte sich der Junge.
Da nahm der Meister eine Orange und fragte seinen Schüler:
„Wenn ich diese Orange nun auspresse, was kommt dabei heraus?“
„Natürlich Orangensaft, Meister“, antwortete der Junge.
„Richtig“, sagte der Meister.
„Und wenn ich mit einem Holzbalken darauf schlage, was kommt dann heraus?“
„Immer noch Orangensaft, Meister!“, entgegnete sein Schüler.
„Du sagst die Wahrheit“, sagte der Meister und fragte ein drittes Mal:
„Wenn nun aber ein Maulesel darauf tritt, was wird dann herauskommen?“
Da knurrte der Schüler: „Meister, warum fragt ihr mich das? Es wird natürlich auch dieses Mal Orangensaft herauskommen. Es kommt immer Orangensaft heraus.“
„Du bist weise, mein Schüler“, antworte da der Meister mit ruhiger Stimme. „Die Orange antwortet immer mit dem, was in ihr drin ist – ganz gleich, was ihr zugefügt wird. So ist es auch mit den Menschen: Setze Sie unter Druck und sieh, was dabei herauskommt. Reagieren sie mit Hass, Zorn und Neid, so ist es das, was in ihnen steckt.“

[Chinesische Erzählung]

Und die Moral von der Geschicht': Unter Druck kommt das Innerste nach Außen. Aber letztendlich ist alles Aus-druck.... Schön, wenn man dabei angenehm überrascht wird, vor allem, wenn man sich selber angenehm überrascht.


AddThis

Zitate

Macht ausüben kostet Mühe und erfordert Mut. Deshalb machen so viele ihr gutes, allerbestes Recht nicht geltend, weil dies Recht eine Art Macht ist, sie aber zu faul oder zu feige sind, es auszuüben. Nachsicht und Geduld heißen die Deckmantel-Tugenden dieser Fehler.

Friedrich Nietzsche